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Die Idee zu „entschweigen” und die Weiterentwicklung


Ursprünglich wollte ich mit  „entschweigen” eines verdeutlichen: Womit Frauen und FINTA*-Personen alltäglich im Internet belästigt werden. Die Idee wurde weitergedacht und „entschweigen” hat einen weiteren, zusätzlich Fokus bekommen: die Sicht des Täters und die Sicht des Opfers.

Ich heiße Wolfgang, bin 1981 geboren und war selbst Täter. Mittlerweile kämpfe ich aktiv gegen patriacharische Strukturen und Sexismus. Natürlich bin ich nicht perfekt, und der Alltagssexismus schlägt weiterhin zu. Aber ich habe dazugelernt und mich weiterentwickelt (ich lerne und entwickle mich immer noch!). Und jetzt möchte ich zeigen: Auch andere Männer lernen dazu oder sind immer noch dabei, sich zu verändern! Mit den Erzählungen soll verhindert werden, dass dieselben Fehler von anderen Männern ebenfalls begangen werden. Wir haben einen langen Weg vor uns. Deswegen ist es wichtig, den ersten Schritt zu setzen: Sich einzugestehen, JA, das habe ich früher geschrieben. JA, das war ein Fehler. NEIN, das würde ich nicht mehr machen. Ich habe selbst einige Nachrichten und Kommentare verfasst, die ich heute in keinster Weise mehr schreiben würde. Und ich bin mit Sicherheit nicht alleine. Es beginnt nicht mit  physischer und/oder psychischer Gewalt gegen Frauen oder gar mit Femiziden. Es beginnt mit einem frauenfeindlichen Witz. So etwas Kleines ist das Fundament für vieles. Wer hier nicht aktiv widerspricht, ist ebenso mitschuldig. Mit „entschweigen” will ich das öffentlich machen. Denn viel zu oft höre ich die Aussage: „Also wenn DAS schon sexuelle Belästigung ist, dann wurde ja eh schon jede Frau belästigt.” Ja, genau darum geht es. Ich will ein Umdenken erreichen, denn...

... es ist nicht jeder Mann so!” Aber es ist IMMER ein Mann.

Ich habe einmal eine Story auf Insta von einem Mann gesehen, der das gut erklärt hat (leider weiß ich nicht mehr, welcher Account das war): Männer sind wie Wespen. Die meisten Wespen haben noch nie einen Menschen gestochen und werden es auch niemals tun. Und trotzdem: Wenn eine Wespe sich auf deinen Arm setzt, hast du Angst vor dem Stich. Und genau deswegen gehen Frauen bei Dunkelheit lieber einen längeren, beleuchteten Weg als einen kurzen, direkten und finsteren Weg. Warum wohl? Weil etwas passieren könnte. 

Und es beginnt u.a. damit, dass Männer einfach im Internet Nachrichten an Frauen und FINTA*-Personen schicken und denken, dass es in Ordnung ist. 

Misogynie und toxische Männlichkeit = Patriarchat?

Viele Männer und Frauen sind in einem patriarchalischen Umfeld aufgewachsen. Immer noch müssen Jungs* stark und unerbittlich sein, und Mädchen schön und zart. Ja, es ändert sich, aber das Schubladendenken ist so festgefahren, dass es quasi  „normal” ist. Jungs* hören Sprüche wie:  „Sei kein Mädchen”,  „Ein Indianer kennt keinen Schmerz”,  „Bist schwul?” etc. Diese Aussagen haben eines gemeinsam: Sie greifen das Ego an, unterdrücken Empathie und wollen beleidigen, gleichzeitig aber verankern solche Sprüche eine künstlich erschaffene Vorstellung davon, was „männlich” (also positiv) und was „mädchenhaft”(also negativ) ist (natürlich ist diese Positiv/Negativ-Einstellung von Grund auf falsch!).

Auffallend ist, dass in den meisten Fällen solche Sprüche Frauen und homosexuelle Menschen extrem abwerten. Das ist ebenfalls Patriarchat. Denn Menschen sind so unterschiedlich wie Schneeflocken. Wir alle sind uns ähnlich, aber keine Person gleicht der anderen, und die sexuelle Orientierung, die Geschlechtsidentiät oder die Farbe der Haut sagt absolut gar nichts über einen Menschen aus. Diese Unterschiede sind das, was uns auszeichnet.  Misogynie, Xenophobie und Homophobie sind nicht genetisch bedingt, sondern so ein Verhalten eignet man sich an. Und der Funke dahinter ist toxische Männlichkeit und somit das Patriarchat. 

*Das sind MEINE persönlichen Erfahrungen. Teilt mir gerne eure mit!

Was sind die Ziele von „entschweigen”?

Kurzfristig will ich einfach zeigen, was für Frauen und FINTA*-Personen der Alltag im Internet ist und daß Männer sich weiterentwickeln können. 

Mittelfristig (und die eigentliche Grundidee) plane ich eine Wanderausstellung, in der ich die ganzen Erzählungen öffentlich zur Schau stellen will und somit soll ein Umdenken bei denjenigen stattfinden, die noch nicht die Problematik hinter sexistischen Nachrichten und Kommentaren erkannt haben.

Weiters möchte ich Treffen von Männern organisieren, die sich ebenfalls gegen das Patriarchart und toxische Männlichkeit auflehnen.

Langfristig ist das Ziel, dass Männer endlich zu der Erkenntnis kommen sollen, dass Sexualisierung nicht in Ordnung ist. Hier benötigt es noch viel Arbeit. Und wir beginnen jetzt.